Die Tuchfabrik Saga und ihr ungewöhnlich stilles Terrain
Während historische Romanreihen sich seit Jahren in vertrauten Kulissen tummeln, von Herrenhäusern über Spinnereien bis zu den immergleichen Familiendramen, liegt ein ganzes Kapitel europäischer Industriegeschichte nahezu unberührt da. Die Welt der Tuchmacherinnen und Tuchmacher, ein Gewerbe, das Regionen geprägt, Existenzen geschaffen und soziale Realitäten geformt hat, kommt in der Belletristik kaum vor. Man könnte meinen, es gäbe sie gar nicht. Gibt es aber. Und sie ist literarisch hochinteressant.

Genau hier setzt die meine Tuchfabrik-Saga an. Sie erzählt nicht nur eine Familiengeschichte, sondern öffnet einen Raum, der sonst im Schatten liegt. Die Reihe führt in eine Arbeitswelt, die über Jahrhunderte den Alltag bestimmt hat. Sie zeigt, wie technische Entwicklungen Familien veränderten, wie Handwerk und Industrie Identität stifteten und wie eng wirtschaftliche und soziale Prozesse miteinander verwoben waren. Die Tuchfabrik wird dabei nicht nur Schauplatz, sondern Erlebniswelt.
Im aktuellen belletristischen Markt findet sich keine zweite Romanreihe, die die Tuchherstellung selbst in den Mittelpunkt stellt. Vom Walken über die Appretur bis zur sozialen Realität der Arbeiterinnen und Arbeiter bleibt dieses Feld weitgehend unbespielt. Ich kann daher mit Stolz berichten, dass meine Romane damit ein Alleinstellungsmerkmal besetzen, das man nicht künstlich herbeischreiben muss. Es ist einfach da. Ein seltenes Gewerbe, ein authentisches Arbeitsumfeld, ein regional verankertes Milieu und eine historische Textur, die nicht aus dem Baukasten stammt.

Während viele historische Stoffe sich in vertrauten Mustern bewegen, wagt die Tuchfabrik-Saga etwas anderes. Sie zeigt neben all den Dramen und Figurenentwicklungen auch Industriekultur und macht sichtbar, wie Arbeit den Alltag formte, wie technische Innovationen Familienstrukturen verschoben und wie sehr regionale Identität von Handwerk und Industrie geprägt wurde. Das ist nicht nostalgisch, sondern präzise. Und es ist relevant.
Denn Tuchfabriken sind heute Museen, Kulturorte oder stille Denkmäler. Sie stehen für eine Vergangenheit, die unsere Gegenwart mitgeprägt hat. Ich selbst hatte die zündende Idee zur Tuchfabrik bei einem Museumsbesuch des LVR in Euskirchen – Kuchenheim. Die Saga knüpft an diese Orte an und erzählt von Menschen, deren Geschichten selten erzählt werden. Sie macht sichtbar, was sonst im Archiv verstaubt. Und sie zeigt, warum diese Orte bis heute Bedeutung haben.
Für meine Leserinnen und Leser bedeutet die Saga vor allem eines: Sie bekommen eine Geschichte, die etwas erzählt, das sie so noch nicht gelesen haben. Für alle, die sich mit Kultur, Erinnerung und regionaler Geschichte beschäftigen, öffnet sie einen Zugang zu einem Thema, das sonst kaum sichtbar ist. Sie holt ein Stück Industriegeschichte zurück ins Licht.

