Flut 2021

Ich erinnere mich ungern an die Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021. Es regnete heftig, das Wasser lief wie ein Fluss um unser Haus und die Straße hinunter, Fotos und Videos von steigendem Wasser wurden in Chatgruppen geteilt. Wir selbst waren damit beschäftigt in unserem Keller zu wischen, in den das aufsteigende Grundwasser lief und waren froh, die Kinder zuhause und in Sicherheit zu wissen. Als der Strom und Telefon ausfielen, standen wir im Keller. Wie im Film fiel die Tür zu. In der Dunkelheit war nur das Plätschern zu hören und ich war froh, dass das Wasser nicht zu hoch stand. Dann holten wir die Taschenlampen heraus, brachten die Kinder ins Bett und wischten weiter. Wir wussten, dass wir in dieser Nacht nicht schlafen würden. Ständig fuhr die Feuerwehr die Straße hoch oder runter. Es tönten die Sirenen und blinkte das Blaulicht der Einsatzfahrzeuge. In den frühen Morgenstunden, ließ der Regen endlich nach. Wir entspannten uns und dachten, dieses Unwetter sei mit Glück überstanden. Am 15. und 16. Juli hatte ich gemeinsam mit der Bibliothek Veranstaltungen im Haus der Begegnung geplant, die ich nun absagen musste. Mein Unwetter-Radius war damals noch so klein.

Dann erhielten wir die ersten Hilferufe aus den tiefergelegenen Ortsteilen Kalls. Immer noch ohne Strom, kamen wir nicht an offizielle Nachrichten, es gab nur private Fotos und Videos, furchtbare Bilder. Was die Betroffenen berichteten, war und ist kaum zu glauben, macht mich noch immer so unendlich fassungslos. Sie zeigten ein nie dagewesenes Ausmaß. Die entstandenen Schäden sind immens. Schulen, Schwimmbad, Praxen, Rathaus, Bahnhof, Gleise, Geschäfte, Straßen, Wohnhäuser… alles kaputt. Menschen starben, Existenzen wurden zerstört, Tiere ertranken in den Fluten. Kall war gezeichnet von Verwüstung, voller Schlamm und Müll. Es stank furchtbar. Egal mit wem ich sprach, jeder hatte eine tragische Geschichte zu erzählen. Nebenbei gerieten die Talsperren in den Fokus, liefen über, drohten zu brechen. Trotzdem packten die Menschen bereits an und räumten teils mit bloßen Händen auf. Ein beispielloses Miteinander zeigte sich, jeder hier half, wo und wie er konnte. Und wenn es noch so unbedeutend schien. Jede Hilfe war notwendig, wurde dankbar angenommen und es erreichte uns mit jedem Tag mehr. Unermüdlich flogen die Helikopter über unseren Köpfen, fuhren die Bauern mit Traktoren, waren private Firmen mit Baumaschinen, Seelsorger, Ärzte, unzählige private Helfer, die Feuerwehren aus anderen Landkreisen, das THW und die Bundeswehr im Einsatz.

Erst später, erreichten mich Bilder von den Ausmaßen der Flut im Ahrtal und den vielen weiteren Ortschaften. Ich spreche für mich. Mein Kopf wollte dieses Unglück nicht mehr begreifen. Ich habe es gesehen und gehört und konnte nur noch weinen. Dass das Wasser an anderen Orten noch schrecklicher gewütet hat, dass dieses Drama vor unserer Haustür andernorts noch steigerungsfähig war, ging über meine Vorstellungskraft. Mein tiefes Mitgefühl gilt allen Betroffenen.

In den nachfolgenden Wochen offenbarten sich die Langzeitschäden. Europa wurde durch diese Flut gezeichnet. Die Regionen werden viele Jahre brauchen, um wieder aufgebaut zu werden. Wir sprechen über Milliardenbeträge, die das kosten wird. Die Menschen sind traumatisiert und haben Angst. So wie es einmal war, wird es nie wieder werden. Aber es muss irgendwie weitergehen und jeder, der möchte, kann uns helfen.

Die Gemeinde Kall geht in ihrer Sondersitzung des Rates vom 19. August 2021 von über 700 betroffenen Objekten und bis zu 4000 betroffenen Personen aus. Wir sprechen allein in unserem Ort über ein Drittel der Bevölkerung.

Viele Kommunen haben Spendenkonten eingerichtet, um Betroffene unbürokratisch unterstützen zu können.

Nachstehend liste ich die Spendenkonten von Kall auf. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der Gemeinde.

Vielen Dank an alle, die uns, in welcher Form auch immer, geholfen haben und auch weiterhin helfen werden.

https://www.kall.de/aktuelles/wichtige-informationen-fuer-alle-vom-hochwasser-betroffenen-buerger.php#spendenorganisationen-hochwasser-2021

„Geldspenden für Betroffene aus der Gemeinde Kall können Sie unter Angabe des Verwendungszweckes Hochwasserhilfe an folgende Bankdaten (Kontoinhaber Gemeinde Kall) senden:

Kreissparkasse Euskirchen
BIC: WELADED1EUS
IBAN: DE40 3825 0110 0003 5002 20

Postbank Köln
BIC: PBNKDEFF370
IBAN: DE61 3701 0050 0028 3915 03

VR-Bank Nordeifel Schleiden
BIC: GENODED1SLE
IBAN: DE67 3706 9720 0070 3930 18

Für die steuerliche Abzugsfähigkeit genügt bei Beträgen bis zu 200 Euro der Kontoauszug. Über höhere Spendensummen stellt die Gemeinde Kall gerne eine Spendenbescheinigung aus. Geben Sie hierzu bitte im Verwendungszweck der Überweisung Ihren vollständigen Namen und die Adresse an. Bitte haben Sie Verständnis, dass dies in der momentanen Situation ggf. etwas länger dauert. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!“

Die anderen betroffenen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz haben ebenfalls Spendenkonten eingerichtet. Auf den Internetseiten gibt es die jeweiligen Informationen.

Viel Mut und Kraft und Ausdauer wünsche ich uns allen!